Es gibt fünf Phasen die wir bei jeglicher Form des Verlustes durchlaufen (können). Hier sind einige Ideen, wie es gelingt, sie ohne größere Blessuren zu durchstehen.

Wenn etwas verschwindet ...

Wenn etwas verschwindet …

Fast ein jeder von uns hat schon einmal einen persönlichen Verlust erlebt – angefangen vom liebgewordenen Talisman, der plötzlich unauffindbar ist, über einen hart-erarbeiteten Text, den der Computer (ohne zu speichern) einfach verschluckt hat. Oder in persönlichen Beziehungen, wenn uns der Partner bzw. die Partnerin verlassen hat, eine wichtige Freundschaft zerbrochen ist oder ein geliebter Mensch seine letzte Reise angetreten hat. Im Berufsleben kann es der Verlust des gewohnten Arbeitsplatzes sein oder die Kündigung einer Schlüsselperson, mit der unwiederbringliches Wissen verschwindet. Unternehmer schmerzt der Verlust eines jeden Kunden. In jedem Fall folgen bei jeglichem Verlust spezielle Phasen, die unterschiedlich schmerzhaft sind.

Phase 1 – Nicht-Wahrnehmen-Wollen

Die Phase 1 zeichnet sich durch Nicht-Wahrnehmen-Wollen aus. Das kann das intensive Suchen nach dem Gegenstand ebenso sein wie das Nachhängen einer Beziehung und „So tun, als ob alles in Ordnung wäre“. Es kann sich als fehlendes Debriefing des kündigenden Mitarbeiters ebenso äußern, wie das kommentarlose Ziehenlassen von Kunden, anstatt zu fragen, welche Auslöser es für diesen Schritt gab und welchen Anteil man selbst daran hatte.

Phase 2 – Selbstbeschimpfung und –entwertung

Ist die Phase 1 abgeschlossen und die Realität erkannt, folgt als nächstes die unangenehme Phase 2 der Selbstbeschimpfung bzw. der Selbstentwertung. Diese ist geprägt von inneren Vorwürfen wie: „Wie konnte mir das passieren?“, „Wie kann man nur so schlampig sein?“ bis hin „Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden.“ oder „Nie wieder werde ich einen Job finden.“ bzw. „Ich bin ein lausiger Unternehmer.“  und „Nie werde ich es schaffen, ein profitables Unternehmen zu entwickeln!“

Diese Phase führt zu nichts – man fühlt sich als Opfer, dreht sich ohnmächtig im Kreis, hackt auf sich herum und generiert unglaublich schlechte Laune. Das nutzt niemand – am Allerwenigsten dem/der Betroffenen selbst! Wie wäre es stattdessen, diese Phase einfach ausfallen zu lassen, indem man diesen unproduktiven und selbstschädigenden Gedankenspielen mental Grenzen setzt? Das kann durchaus anstrengend sein und erfordert einiges an Disziplin, bringt aber auch die Phase der konstruktiven Reflexion schnell näher.

Phase 3 – Konstruktive Reflexion

Diese Phase 3 der konstruktiven Reflexion konzentriert sich darauf, wie man mit der Situation sinnvoll umgehen kann, welche Auslöser zu ihr geführt haben und wie man sie – so möglich – in Zukunft vermeiden kann. Fragen tauchen auf wie „Was kann ich tun, damit xyz mir künftig nicht mehr passiert?“ (mehr Ordnung halten, die automatische Textspeicherung aktivieren) oder „Was ist zu verändern, damit sich xyz vermeiden lässt?“ (klare Grenzen setzen, Konflikte rechtzeitig lösen, anstatt sie unter den Teppich zu kehren, deutlich die eigenen Bedürfnisse kommunizieren etc.). Oder im beruflichen Bereich die eigene Employability durch gezielte Weiterbildung steigern bzw. an der Attraktivität des eigenen Unternehmens arbeiten und eine menschenwürdige Unternehmenskultur zu schaffen; ein aktiver Unternehmer wird sich auch fragen, welche Produkte bzw. Verfahren er entwickeln muss, um künftig wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben.

Diese Phase erfordert, dass man die eigene Komfortzone verlässt, sich als Ursache dessen begreift, was einem geschieht, anstatt über die Bosheit des persönlichen Schicksals und der Welt als solcher zu lamentieren.

Nicht nur in dieser Phase, sondern durch den ganzen Prozess hinweg ist es wichtig, einen wohlwollend-kritischen Gesprächspartner zu haben, der hilft, das Durcheinander von widerstreitenden Gedanken und Emotionen zu würdigen, ihm Wertschätzung und Raum zu geben, damit es im Anschluss konstruktiv bearbeitet werden kann, um die daraus entstehende Energie lösungsfokussiert in produktive Bahnen zu lenken.

Diese Phase 3 ist kritisch, denn in ihr liegt das Potenzial zu einer geglückten Veränderung des inneren wie des äußeren Zustands. Es ist dies die optimale Zeit für ein Coaching, damit Sie schneller und vor allem sicherer zu Ihren (!) Lösungen kommen, anstatt wohlmeinenden Ratschlägen anderer zu folgen oder – noch viel schlimmer – sich weiterhin im eigenen Verlust-Gedankenkarussell zu drehen und sich bald in Phase 1 wiederzufinden. Die Anstrengung, den Schritt in die nächste Phase zu gehen, ist wesentlich attraktiver.

Phase 4 – Entwicklung und Veränderung

Denn in der Phase 4 ist man so weit, aktiv an der nötigen Entwicklung und Veränderung zu arbeiten. Man fühlt sich wieder handlungsfähig und ist motiviert, die Dinge anzugehen. Nun gilt es, am Ball zu bleiben, denn so wie ein praller Luftballon sukzessive an Luft verliert, bis er schrumpelig zu Boden geht, so lässt auch unsere Motivation und Ausdauer nach. Das ist einfach so. Immer mal wieder ein bisschen Luft in den Ballon geben, hilft. Das können Erfolgserlebnisse sein, die unserer Motivation einen Schub geben oder die Anerkennung durch andere, die unserer Ausdauer Flügel verleiht. Man kann diese Phase auch durch einen ergebnisorientierten Coach begleiten lassen, der zuverlässig Wind unter die Flügel pustet – dann ist diese Phase 4 plain sailing.

Phase 5 – Gelebte Spiritualität

Die Phase 5 ist das Sahnehäubchen oben drauf. Es geht durchaus auch ohne. Wenn man sich allerdings wünscht, dieses Verlust-Phasenmodell hinter sich zu lassen, empfehle ich eine große Portion davon! In der Phase 5 geht es darum, das Gefühl von Verlust und Trauer für immer hinter sich zu lassen. Und hier kommt gelebte Spiritualität ins Spiel. Wir sind alle Teil eines großen Ganzen – nennen wir es Natur, Menschheit, das Universum oder eine höhere Kraft – und nichts geschieht ohne Grund. Alles was uns im Außen widerfährt, hat seinen Ursprung in uns selbst. So einfach ist das. Und das wirklich Tolle daran ist, dass wir es somit ändern können und damit der/die MeisterIn des Spiels sind! Ändert man die eigene Denkstruktur und Sichtweise, verändert sich dadurch auch die individuelle Wahrnehmung und Bewertung einer Situation. Daraus resultierend handelt man anders und die Ergebnisse des Handelns werden andere sein. Kurz gesagt: „Wenn der Tag nicht dein Freund war, so war er dein Lehrer.“

Ich wünsche Ihnen viele lehrreiche und freundliche Tage!

Über den Autor: Claudia Nuber

Claudia Nuber ist eine von Deutschlands Coach-Pionierinnen. Weltweit zertifiziert, international arbeitend, akkreditiert für das Gründercoaching Deutschland und gesuchte Sparringspartnerin der Erfolgreichen, lebt sie in Bernau am Chiemsee. Mehr unter www.cnconsult.de

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